Glücklich und nass in Costa Rica – ein Reisebericht, erster Teil

Im Wald von Turrialba, Costa Rica.

Im Wald von Turrialba

Als ich 19 war, ungefähr zu der Zeit, als Bobby McFerrin mit dem schlimmen Ohrwurm „Don’t Worry, Be Happy“ 10 Wochen die deutschen Charts anführte und wir alle den nahenden Mauerfall noch nicht ahnten, schenkten mir sehr nette Leute ein dickes GEO-Buch über den Regenwald von Uwe George. Seine Bilder von Costa Rica haben mich immer sehr fasziniert, aber Ziele wie Mittelamerika erschienen damals unerreichbar weit weg, wenn man 19 ist und in Ostfriesland wohnt. Im Dschungel einen Familienurlaub zu verbringen, lag damals in den Achtzigern noch weiter weg als der Gedanke, überhaupt eine eigene Familie zu gründen.

Viele Jahre, einige Umzüge später und Lebenserfahrungen reicher sitzen wir zu dritt in der Küche und überlegen: Costa Rica wäre ein schönes Reiseziel – da sollen sehr, sehr glückliche Menschen wohnen. Tatsächlich liegt Costa Rica im „Happy Planet Index“ der New Economics Foundation unangefochten auf Platz 1. Und außerdem gibt es dort Regenwald! Und Vulkane! Wilde Tiere! Leckeren Kaffee, Schokolade, Bananen- und Ananas-Plantagen! Und natürlich Reis mit Bohnen – Gallo Pinto, wie er in Costa Rica heißt.

Wir begannen unsere Recherche im Internet und legten uns zwei Reiseführer zu, von denen „Iwanowski’s Costa Rica“ sich als sehr zuverlässig herausstellte. Ich verzichte deshalb auch auf detaillierte Infos zum Land. Das kann Iwanowski deutlich besser. Ja, bei Amazon gibt es ein paar kritische Stimmen, die beispielsweise fehlende Hinweise zu den teilweise schwierigen Straßenverhältnissen bemängeln. Aber wer Geröll- und Schotterpisten oder große Schlaglöcher überhaupt nicht mag, für den ist Mittelamerika vielleicht eh nicht das beste Reiseziel.

Eine Rundreise kann man in Mittelamerika mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchziehen, und mit viel Zeit auch per Fahrrad oder zu Fuß. Bei nur drei Wochen Zeit und wie immer sehr üppigem Gepäck war für uns der eigene Mietwagen die komfortabelste Option. Eine 4-köpfige Familie aus Norwegen, die wir in Tortuguero kennenlernten, verzichtete auf das eigene Auto und kombinierte Bus, Boot und Taxi – eine Variante, die ich bei der nächsten Rundreise als Option auch berücksichtigen werde.

Wild Rider“ hieß die Autovermietung unserer Wahl in San Jose. Davon hatten wir nur Gutes gehört und gelesen – und nur Gutes erlebt. Die Autos sind vielleicht nicht die größten und neuesten, aber sie sind sehr gut gewartet und laufen. Wir hatten keine einzige Panne, nicht einmal einen platten Reifen. Die Jungs bringen das Auto gegen einen geringen Aufpreis auch früh morgens zum Flughafen San Jose und holen es nach der Rundreise bei Bedarf vom Flughafen oder vom Hotel auch wieder ab. So spart man sich weitestgehend Stau und Stress in und um San Jose. Bei der Wahl des Autos ist Bodenfreiheit deutlich wichtiger als Allradantrieb. Dennoch gab es während unserer Reise mindestens drei oder vier Situationen, bei denen der Allradantrieb unterm Hintern für alle Beteiligten sehr beruhigend wirkte.

Wir sind dann also los und starteten unsere Tour in dem kleinen Städtchen Turrialba südöstlich von San Jose. Turrialba ist ein idealer Ort, um sich mit Wetter, Essen und Menschen zu akklimatisieren. Dort konnten wir uns auch direkt davon überzeugen, dass die Leute in Costa Rica extrem entspannt und überaus freundlich sind – und damit meine ich nicht diese Freundlichkeit, die man als Urlauber meint wahrzunehmen, nur weil man gerade selbst entspannt ist. Am besten wohnt man dann auch mitten im Ort. Wir entscheiden uns für das Turrialba Bed & Breakfast – einfach und schön.

LR Bildunterschrift

Der Parque Quesada Casal mitten in Turrialba.

Um im Urlaub sehr schnell von Arbeit, Schule und Alltag abzuschalten, heizten wir direkt an den ersten beiden Tagen unserem Adrenalinpegel kräftig ein: Zuerst ging es mit Adrenalina Rafting im Jeep rauf auf den Vulkan Irazu, um aus ca. 3.400 Metern Höhe auf Mountainbikes wieder runter zu fahren. Abgesehen davon, dass es in der Höhe auch in Costa Rica ganz schön frisch wird, fiel diese Tour leider größtenteils ins Wasser. Der Regen änderte nur die Intensität, hörte aber nie ganz auf. Mein ansonsten perfektes Regenwald-Equipment von Billig-Poncho und Trecking-Regenschirm war beim Downhill nicht wirklich zu gebrauchen. Nachdem dann auch noch einer von uns auf der rutschigen Schottenpiste stürzte, wurden die Räder wieder aufs Dach gepackt und das nächste Soda zum Aufwärmen angesteuert. War trotzdem witzig – würde ich wieder versuchen.

Volcano Irazu.

Volcan Irazu.

Meistens steht man auf dem Irazu im Nebel.

Meistens steht man auf dem Irazu im Nebel. | Foto: Adrenalina Rafting

Wenn doch die Sonne rauskommt, bleibt es trotzdem kalt genug für eine heiße Schokolade

Wenn doch die Sonne rauskommt, bleibt es trotzdem kalt genug für eine heiße Schokolade

Der erste Urlaubstag war nicht unbedingt das, was andere unter Urlaub verstehen.

Der erste Urlaubstag war nicht unbedingt das, was andere unter Urlaub verstehen. | Foto: Adrenalina Rafting

Irgendwo abseits der Straße fielen die Fahrräder vom Auto

Irgendwo abseits der Straße fielen die Fahrräder vom Auto

Das klamme Wetter wäre ideal für einen Besuch des Sanatorio Carlos Durán gewesen, ein längst geschlossenes Krankenhaus für Kinder mit Tuberkulose. Dort soll es nämlich kräftig spuken. Leider hieß es, man könne Gelände und Haus nur nach vorheriger Anmeldung besichtigen. Offenbar kann man dort sogar übernachten. Einer unserer MTB-Guides hatte sich diese Erfahrung schon gegönnt und nicht wirklich gut geschlafen.

Etwas skeptisch schauen wir uns den Regenbogen an...

Etwas skeptisch schauen wir uns den Regenbogen an… | Foto: Adrenalina Rafting

Regenbogen über den Ruinas Sanatorio Carlos Durán.

… der sich von den Ruinas Sanatorio Carlos Durán übers Tal biegt.

Ob es regnete oder nicht, war am nächsten Tag ziemlich egal. Da bestand das Programm aus Rafting am Vormittag und Canyoning am Nachmittag. Die Rafting-Tour machten wir auf dem Rio Pejibaye, der nicht zu schnell und nicht zu langsam fließt und damit absolut familientauglich ist. Die Basis von Explornatura, dem Anbieter der ganzen Aktivitäten, liegt an einem Hang oberhalb von Turrialba. Dort gibt es Mittagessen bei großartiger Aussicht über das Tal. Die Basis ist ebenfalls Ausgangspunkt fürs Canyoning. Verschlungene Pfade durch den Wald, ein paar Ziplines und 5 Wasserfälle warteten auf uns. Die Guides sind sehr professionell, und alles läuft sehr sicher ab. Schrammen haben wir uns trotzdem geholt. Und natürlich muss man nicht bis nach Costa Rica fahren, um mit dem Schlauchboot einen Fluss runter zu rutschen oder sich in Wasserfällen abzuseilen, aber es ist eine schöne Variante, in die Natur buchstäblich einzutauchen. Und ganz automatisch sind die Gedanken weit, weit weg vom Alltag zuhause.

Entspanntes Rafting auf dem Rio Pejibaye.

Entspanntes Rafting auf dem Rio Pejibaye.

Auch wenn es nicht so aussieht: Die Klettertour war auch für Kinder geeignet.

Auch wenn es nicht so aussieht: Die Klettertour war auch für Kinder geeignet.

Nichts für Wasserscheue.

Nichts für Wasserscheue. | Foto: Explornatura

Die glitschige Hängebrücke war die übelste Mutprobe vonallen.

Die glitschige Hängebrücke war die übelste Mutprobe von allen. | Foto: Explornatura

Beim Blick nach unten und schlimmer Wackelei beruhigt das Sicherheitsseil auch nicht wirklich.

Beim Blick nach unten und schlimmer Wackelei beruhigt das Sicherheitsseil auch nicht wirklich.

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